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Archiv



Unter der Rubrik "Archiv" finden Sie Nachrichten über zurückliegende Veränderungen in der Berliner Skulpturenlandschaft. Wir möchten Ihr Augenmerk auf oftmals zu wenig beachtete Objekte und auf Wiederherstellungen von Plastiken richten. Werke, die während oder auch nach dem II. Weltkrieg entwendet oder zerstört worden sind, werden zum Teil noch heute nach alten Modellen wiedererschaffen, um Ensembles auf historischen Stadtplätzen und in Parkanlagen zu komplettieren. Auch mutwillige Zerstörungen oder Diebstahl von plastischen Werken wird ggf. hier verzeichnet. Wir informieren über die Bemühungen um den Erhalt von Skulpturen, die unter Verwitterung und Vandalismus gelitten haben und deren Restaurierung oft aufwändige, kostenintensive Verfahren erfordert. Temporäre Aufstellungen im öffentlichen Raum und Bildhauersymposien sind ebenfalls Themen für "Archiv".

Über Ihre Mithilfe würden wir uns freuen. Wenn Sie Neuigkeiten zu den wichtigen Plastiken und Skulpturen im öffentlichen Raum haben, senden Sie uns eine Nachricht.


Inhalt:

Pergola am Alten Palais
Musiker-Denkmal im Tiergarten
Mitscherlich Büste verschwunden
Dioskuren auf dem Alten Museum
Restaurierung Stier Alboinplatz
Skulpturen auf dem Oranienplatz
Restaurierung Charlottenburger Tor
Wiederaufstellung Hardenberg-Denkmal
Restaurierung Graefe-Denkmal
Restaurierung Flensburger Löwe
Skulpturendiebstahl St. Matthäus-Kirchhof
Neuaufstellung "Alter Dessauer"
Abbau der Borrussia in Wannsee
Restaurierung Großer Kurfürst
Rekonstruktion Fortuna Neues Stadthaus
Sanierung Märchenbrunnen


Die Karyatiden der Pergola am Alten Palais

Dem Alten Palais Unter den Linden fehlt z. Zt. noch ein bedeutender Teil seines einstigen Skulpturenschmuckes. Vier Karyatiden, entworfen von Ludwig Wichmann (1788-1859), stützten die sich einst an der Bebelplatzseite befindliche begrünte Pergola. Der westfälische Bildhauer Raphael Strauch schuf jetzt nach historischen Abbildungen ein neues Gipsmodell für die Ausführung der vier Karyatiden.

Karl Gotthard Langhans errichtete zwischen 1834 und 1837 das bedeutende klassizistische Gebäude, das dem späteren Kaiser Wilhelm I. als Stadtpalais dienen sollte. Heute beherbergt es die juristische Fakultät der Humboldt-Universität. Brandbomben hatten das Gebäude am 23. November 1943 bis auf die Fassade zerstört. 1962 bis 1964 erfolgte der Wiederaufbau nach Plänen von Fritz Meinhardt mit einer vollständig veränderten räumlichen Aufteilung. Die Stiftung Denkmalschutz Berlin übernahm die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes, die von Mai 2003 bis August 2005 stattfand. Teil dieser Sanierung war auch die Wiedergewinnung des historischen Erscheinungsbildes in Fassadenaufbau und Farbigkeit, sowie die Restaurierung des Terrakottafrieses mit 18 allegorischen Statuen und 16 Wappenschildern nach Entwurf Wichmanns am Mezzanin, damals ausgeführt von der Fa. Tobias Feilner. In diesem Jahr soll auch die 1962 abgebrochene Pergola wiederhergestellt werden. Sie war 14 m lang, sechs Meter tief, acht Meter hoch und unterkellert. Ihr Aufbau bestand aus Natursteinpilastern, vier Terrakotta-Köpfen und Holzlatten. Angaben, die genauso wie das Aussehen der Pilaster aus historischen Fotografien, Gemälden und Bauzeichnungen des 19. Jahrhunderts abgelesen werden mussten.

(Susanne Kähler, März 2007)



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Das Musiker-Denkmal im Großen Tiergarten

Weil der Bau des Tiergartentunnels eine Gefährdung des ohnehin restaurierungsbedürftigen Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmals darstellte, demontierte man 1996 seine wertvollen Marmorteile. In den vergangenen Jahren war so lediglich noch der nackte Ziegelkern des 10 m hohen Monuments östlich der Entlastungsstraße am Südende des Goldfischteiches zu sehen. Das wird sich jetzt wieder ändern: Neben dem Rückbau der in den 1960er Jahren angelegten Entlastungsstraße und der Wiederherstellung der Grünanlagen werden nun die restaurierten und ergänzten Marmorteile, sowie die Metallapplikationen bis Oktober 2006 wieder montiert.
Die Entstehungsgeschichte dieses Denkmals beginnt mit dem Plan zu einem Mozartbildnis vor der Singakademie. Analog zu den Standbildern für Schiller, Lessing und Goethe sollten aber schließlich auch die drei bedeutenden Komponisten Mozart, Beethoven und Haydn im Berliner Tiergaren geehrt werden. Nach Wettbewerb und langwierigen Verhandlungen wurde schließlich ein dritter und recht reduzierter Entwurf des Bildhauers Rudolf Siemering (1835-1905) ausgeführt, mit der Architektur wurde sein Sohn Wolfgang Siemering betraut. Es erwies sich als außerordentlich schwer, die Musikerfiguren sowie die Ideale ihrer Musik in einer kompakten Denkmalsform zu vereinen, so war das historistische Bildhauerwerk bald nicht mehr unumstritten. Der Spottname "Musikerofen" hat sich bis heute gehalten. Die Halbfiguren der Komponisten stehen in Nischen einer Architektur, die insgesamt der Form einer neubarocken Kuppellaterne ähnelt. Man erkennt Mozart als heiteren jungen Komponisten im Rokokokostüm sowie den älteren Haydn, beide mit Notenblatt. Beethoven hat dagegen beide Hände hinter dem Rücken verschränkt und den Kopf jäh nach rechtsgewendet. Ehemals teilweise vergoldete Reliefs illustrieren ihr Schaffen. Die gesamte Komposition wird von drei galvanoplastischen, einen Kranz tragenden Putten bekrönt. Mit der Bauleitung der Arbeiten wurde die "Restaurierung am Oberbaum" beauftragt. Die unter der Obhut des Landesdenkmalamts stehende Maßnahme kostet ca. 960.000,- Euro. Die Finanzierung trägt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
(Susanne Kähler)




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Büste von Eilhard Mitscherlich verschwunden

Im abgeschlossenen Mausoleum Mitscherlich auf dem Alten St. Matthäuskirchhof in Schöneberg befand sich bis vor kurzem die 1859 geschaffene Gipsbüste des Chemikers Eilhardt Mitscherlich, ein Werk der Bildhauerin Elisabeth Ney. Heute weiß niemand etwas über den Verbleib der klassizistischen Hermenbüste, die im Katalog der Ausstellung "Ethos und Pathos" von 1990 verzeichnet ist. Bei der klassizistischen Grabkapelle handelt es sich um eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

Elisabeth Franziska Bernadina Ney (1833-1907) ist eine der ganz wenigen bekannt gewordenen Berliner Bildhauerinnen ihrer Generation. Die junge aus Münster stammende Künstlerin kam 1855 nach Berlin und wurde dort sogar zu Christian Daniel Rauchs bevorzugter Schülerin. Nach dessen Tod 1857 erhielt sie einige seine Büstenaufträge, darunter auch den Auftrag für das Porträt Mitscherlichs, dass sie 1863 in Marmor ausführte. Elisabeth Ney entwickelte sich in den Folgejahren zu einer bedeutenden Porträtistin bekannter Persönlichkeiten. 1892 wanderte sie nach Austin/Texas aus und begründete dort ihr Bildhaueratelier. Der Dargestellte, Eilhardt Mitscherlich (1794-1863), war als Nachfolger von Prof. M. Klaproth an die Berliner Universität berufen worden, Mitscherlich beschäftigte sich mit den Gebieten der Chemie, der Physik und der Geologie. Er entdeckte die Isomorphie und die Polymorphie von Kristallen und war Verfasser eines Lehrbuchs der Chemie.
(Susanne Kähler)



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Die Dioskuren auf dem Alten Museum

Vier Figurengruppen zieren in der Regel das Dach des zwischen 1823 und 1830 errichteten Alten Museums von Karl Friedrich Schinkel. Die vorderen beiden Gruppen sind derzeit nicht vor Ort sondern befinden sich in zerlegtem Zustand in der Werkstatt des Restaurators Georg Ignaszewski in Grünau, um im Oktober wieder ihren gewohnten exponierten Platz mit Blick über den Lustgarten einzunehmen. Es handelt sich um Darstellungen aus der antiken Mythologie, die Zwillingsbrüder Castor und Pollux ­ die Dioskuren ­ als athletische Aktfiguren in bewegter Darstellung ihr Ross bändigend. Diese Gruppen entstanden nach Modellen des Bildhauers Friedrich Tieck (1776-1851) aus den Jahren 1827/28. Am 2. Oktober 1828 wurden die Gruppen aufgestellt. Es sind frühe monumentale Eisengüsse, Erzeugnisse der Berliner Eisengießerei, die kurze Zeit später für den Verkauf verkleinerte Dioskuren als Briefbeschwerer produzierte. Von Tieck stammen auch die Adlerfiguren aus Sandstein an der Fassade.

Erst 1861, 20 Jahre nach Schinkels Tod, wurden auch die Figuren für die hinteren Ecken des Daches aufgestellt: die Gruppen "Pegasus von der Grazie gebändigt" und "Pegasus von der Muse gelabt", entworfen von Hugo Haagen und Hermann Schievelbein. Diese beiden Gruppen sind aus Zink, die Ausführungen hatten die Gießereien Hermann Gladenbeck und Moritz Geiss übernommen.

Die Dioskuren wurden nach dem II. Weltkrieg 1962 erstmals vor Ort auf dem Dach durch Mitarbeiter der Kunstgießerei Lauchhammer restauriert. Jetzt machten gravierende Korrosionsschäden an den Innenseiten umfassende Maßnahmen der Restaurierung und der Konservierung notwendig.
(Susanne Kähler)




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Die Restaurierung des Stiers vom Alboinplatz

Insgesamt zwei Jahre dauerte die Restaurierung des insgesamt 12 m langen Stier-Monuments auf dem Alboinplatz in Schöneberg, im April 2005 wurde das sanierte Denkmal wieder der Öffentlichkeit übergeben. Der Stier (oder Auerochse) mit gesenkten Hörnern setzt sich aus über 3.000 unregelmäßig viereckigen Werksteinen über einem gemauerten Ziegelkern zusammen, die der Restaurator Hans Starcke zum Großteil einzeln zu bearbeiten hatte. Zudem war die Verfügung schadhaft. Starker Pflanzenbewuchs und unsachgemäße vorausgegangene Behebung der Kriegsschäden mit Beton hatten zur Notwendigkeit der 160.000 Euro kostenden Maßnahme beigetragen. Das Monument entstand zwischen 1934 und 1936 im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Künstler. Der aus Münster stammende Bildhauer Paul Mersmann (1903-1975) war seit 1931 in Berlin tätig und wurde mit der Schöpfung des Stieres betraut. Bekannt ist Mersmanns Büste des mit ihm befreundeten Kunsthändlers Pels-Leusden im Käthe-Kollwitz-Museum. 1950 kehrte er in die Metallwerkstatt seines Vaters in Münster zurück.

Die Steine, aus denen sich der Stier zusammensetzt, sollen aus dem Vorgängerbau des Reichsluftfahrtministeriums stammen. Die Darstellung des Tieres am Rande der steilen Böschung zum See, zur Blanken Helle“, meint wohl eine Sage, bei der auf Geheiß der germanischen Göttin Hel zwei Stiere aus dem See stiegen, um mit einem Pflug das Land urbar zu machen. Das Werk wurde aber offensichtlich nicht nach dem Wunsch der Behörden gestaltet, diese verweigerten dem Künstler die offizielle Abnahme und forderten 1936 den Abriss.
(Susanne Kähler)



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Skulpturen auf dem Oranienplatz

Im Zuge der aktuellen Sanierung des denkmalgeschützten Oranienplatzes in Kreuzberg wurde auch der "Drachenbrunnen" von Wiegand Witting aus schwarzem Granit, entstanden 1986 bis 1989, von Graffiti befreit. Den roten Mast, letztes Fragment des akustisch-windkinetischen Objekts "Windfühler IV", geschaffen 1986 von Rainer Graff, Monika Hannsz und Norbert Beyer, räumte man dagegen kürzlich ab. Das Objekt hatte die Form eines horizontal an dem Mast aufgehängten Katamarans aus Aluminium, Stoff und unterschiedlichen weiteren Metallen. Dieser "nach oben segelnde" Katamaran war drehbar an der roten Stange gelagert. Besonderheit des kurzlebigen Kunstwerkes waren die äolischen Harfenklänge, die von dem Objekt bei Wind ausgingen und im Umkreis von 25 m hörbar waren. Zuletzt war es beschädigt und mit Farbe besprüht, im Jahr 2000 musste es aufgrund mangelnder Standsicherheit abgeräumt werden, seitdem wartet es im Depot des Grünflächenamts auf die Abholung durch seine Erbauer.
(Susanne Kähler)



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Die Restaurierung des Charlottenburger Tors

Im Jahr 2007, zum 100jährigen Jubiläum des Charlottenburger Tores, sollen die aufwändigen Restaurierungsarbeiten an diesem Bauwerk an der Straße des 17. Juni beendet sein. Seit August 2004 ist das Tor an der ehemaligen Stadtgrenze Charlottenburgs eingerüstet. Die nach Plänen des Architekten Bernhard Schaede errichteten Kolonnaden bedürfen einer grundlegenden Sanierung, die die Stiftung Denkmalschutz Berlin in die Wege geleitet hat und die mit Sponsorengeldern finanziert wird. Die Arbeiten am Bauwerk hat die Firma Caro Restaurierung und Technologie GmbH übernommen. Seine letzte – wohl eher unsachgemäße - Restaurierung hatte das Charlottenburger Tor in den Jahren 1968 bis 1970 erfahren, eine problematische Durchfeuchtung des Steins war die Folge.

Von der Skulpturenausstattung der anlässlich der Straßenverbreiterung von 1938 auseinander gerückten Bauten ist heute nur ein Teil erhalten. Heinrich Baucke (1875-1915) schuf 1909 die bronzenen Standbilder Sophie Charlottes und Friedrich I. Sophie Charlotte, wenn man sich der Stadtgrenze Charlottenburgs nähert vor dem rechten Pfeiler stehend, weist auf ein Modell des nach ihr benannten Charlottenburger Schlosses. Der Gründer der Stadt, König Friedrich I. ist mit den Insignien Zepter und Hermelinmantel ausgestattet und steht vor dem linken Torpfeiler. Diese beiden korrodierten Bronzen bedürfen einer Oberflächensanierung. Über dem Herrscherpaar, befanden sich bis 1945 allegorische Bronzegruppen. Das Fehlen dieser bekrönenden Pfeilerfiguren beeinträchtigt die Silhouette des Tores. Nach dem Verbleib dieser Werke des Bildhauers Peter Georg Wrba (1872-1939) wird noch gefahndet. Es sind Darstellung einer auf einem Hirschen reitenden Frauengestalt mit einem geschwungenen Schleier über ihrem Haupt und eines Kriegers mit Schwert und Schild zu Pferde. Auch die ehemals hinter dem Tor stehenden Kandelaber zur Markierung der Fahrbahn sind nicht mehr erhalten.
(Susanne Kähler)



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Wiederaufstellung des Hardenberg-Denkmal in 2006

Das Bronzedenkmal für den preußischen Reformer Karl August Fürst von Hardenberg wurde erstmals 1907 auf dem Donhoffplatz an der Leipziger Straße enthüllt, seit 1949 ist dieses Werk des Bildhauers Martin Götze (1865-1931) verschollen. Sein damaliges Gegenüber, das Denkmal des Freiherrn vom Stein aus dem Jahre 1868 (Aufstellung 1875), war erhalten geblieben und hatte im April 2002 einen neuen Aufstellungsort auf dem Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses gefunden. Hardenbergs Standbild soll nun anhand einer Miniaturkopie aus dem Besitz Friedrich-Carl Graf von Hardenbergs und historischen Fotographien auf die Initiative des Präsidenten des Abgeordnetenhauses Walter Momper rekonstruiert werden: ein naturalistisches Standbild des Fürsten mit offenem Pelerinenmantel und Schwarzem Adlerorden. Sein Platz wird – auf Vorschlag des stellvertretenden Landeskonservators Klaus von Krosigk - dem Freiherren gegenüber vor dem Martin-Gropius-Bau sein. Das Hardenbergdenkmal wird eine Höhe von 2,8 m haben und soll auf einem Granitsockel stehen. Für die zu erwartenden Kosten von 150.000 Euro haben sich bereits mehrere Spender gefunden, der frühere Präsident des Landesverfassungsgerichts und ehemalige Vorsitzende des Vereins für die Geschichte Berlins Klaus Finkelnburg hat 70.000 Euro beigesteuert. Die Gesellschaft Historisches Berlin bemüht sich ebenfalls um Finanzierungsmöglichkeiten. 2006 soll das Denkmal fertiggestellt sein.
(Susanne Kähler)



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Restaurierung des Graefe-Denkmals an der Charité

Albecht von Graefe (1828-1870) gilt als Begründer der modernen Augenheilkunde. Ihm war es u. a. erstmals gelungen, mit dem von Hermann Helmhotlz erfundenen Augenspiegel den bis dahin als unheilbar geltenden grünen Star zu operieren. Als Dankesmal seiner Patienten wurde ihm 1882 vor der Charité an der Luisenstaße/Ecke Schuhmannstraße ein aufwändiges und ungewöhnliches Denkmal errichtet, entworfen von dem Bildhauer Rudolf Siemering (1835-1905). Den architektonische Rahmen mit einer Rundbogennische um das Bronzestandbild des Arztes gestalteten die Architekten Gropius & Schmieden. Die Verdienste von Graefes sind auf farbigen von Siemering entworfenen und in der Charlottenburger Firma March umgesetzten Terrakottareliefs an den Seitenteilen des Denkmals illustriert - es sind Darstellungen derjenigen Menschen, die ihr Augenlicht dank von Graefes Operationen wiedererhalten haben.

Nach Kriegs- und Witterungsschäden ist das Denkmal umfassend saniert und am 27. September 2005, dem 100. Todestages Siemerings, wieder enthüllt worden. Die Restaurierung wurde finanziell durch die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, deren Gründungsvater Graefe war, ermöglicht. Es beteiligten sich zudem die medizinische Wirtschaft, das Landesdenkmalamt Berlin und der Bezirk Mitte. Die Initiative zu dem Projekt hatte der Verein Denk-mal-an-Berlin übernommen.
(Susanne Kähler)



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Die Restaurierung des Flensburger Löwen

Am 1. September 2005 wurde auf dem Aussichtsplateau zum Wannsee am Heckeshorn das ca. 7 m hohe Monument des Flensburger Löwen nach ausführlicher Sanierung enthüllt. Der Zinkguss aus dem Jahr 1874 hatte unzählige Risse und Löcher aufgewiesen, der Körper des auf hohem Sandsteinsockel platzierten Tieres war verformt.

Das bronzene Original zu dem Wannseer Zinkguss ist ein Werk aus den Jahren 1859-1862 aus den Händen des Bildhauers Hermann Villem Bissen (1798-1868), es sollte an den Sieg der Dänen über Schleswig Holstein bei Idstedt erinnern und steht heute in Kopenhagen. Die Bronze wurde zunächst im damals dänischen Flensburg aufgestellt, nach Preußens Sieg über Dänemark kam sie auf Veranlassung Bismarcks als Trophäe ins Berliner Zeughaus, später in die Lichterfelder Kadettenanstalt, nach dem II. Weltkrieg gaben die amerikanischen Alliierten den Löwen an die Dänen zurück. 1874 hatte aber bereits Kommerzienrath Wilhelm Conrad, Bewohner der Villa Alsen in Wannsee, eine Kopie anfertigen lassen, die er in einer eigens eingerichteten Parkanlage aufstellen ließ. Seit 1938 wacht dieser Zinklöwe auf seinem heutigen Platz am Heckeshorn. Die neueste Restaurierung nahm Bernd-Michael Helmich vor: Er zerlegte den Löwen in seiner Werkstatt in Einzelteile, baute ein neues Stahlgerüst ein und überzog die gereinigte Zinkhaut mit einer grünlichen Patina. Einen gänzlich neuen Schwanz erhielt das Tier, hierzu war eigens eine Abformung am Original in Kopenhagen gemacht worden. Die Restaurierung des Sockels bewerkstelligte Hans Starcke vor Ort. Die rund 90.000 Euro betragenden Kosten für Restaurierung von Denkmal und Denkmalsplatz trugen die v. Hinckeldey-Stiftung Berlin, das Landesdenkmalamt und der Bezirk.
(Susanne Kähler)




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Skulpturendiebstahl auf dem St. Matthäus-Kirchhof

Von den Friedhöfen der Stadt werden immer wieder bekannte Zeugnisse der Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts gestohlen. Im Herbst 2005 wurde beispielsweise ein Relieftondo aus dem Jahre 1869, geschaffen von dem Bildhauer Rudolf Siemering, von dem Wandgrab Schemionek –von Hagens entwendet. Das Relief mit der Darstellung einer "Trauernden am Grab". Dieses Relief wurde inzwischen wieder gefunden und neu montiert. Ebenfalls wieder aufgetaucht ist die gestohlene Marmorporträtbüste des Marmorwarenfabrikanten Mathias Leonhard Schleicher (um 1872), vermutlich ein Werk von G. Schleicher. Die Rundbogenarchitektur aus Granit und Marmor dieser Grabanlage stammt von dem renommierten Berliner Architekten J. F. Hitzig. Weiterhin wurde im Mai 2005 von demselben Friedhof eine etwa 90 cm hohe Engelsfigur aus Marmor (um 1887) gestohlen, dieser wird weiterhin vermisst. Der heranschwebende Engel hielt Rosen und Palmenzweig in den Händen, er stammt vom neugotischen Wandgrab der Familie des Johann Karl Wilhelm Eduard Nonnemann. Auch die "Pickelhaube" auf Eichenlaub, Marmor, um 1853, von der Inschriftenstele des Erbbegräbnisses der Familie des Ferdinand von Kusserow wurde entwendet.
(Susanne Kähler)


Neuaufstellung des "Alten Dessauers" auf dem Wilhelmplatz

Am 8. Juni 2005 wurde das Bronzestandbild des Generals Leopold I., des "Alten Dessauers", an der Mohrenstraße/Ecke Wilhelmstraße, ehemals Wilhelmplatz, nach bewegtem Schicksal und umfangreicher Restaurierung neu aufgestellt. Das Marmororiginal von Johann Gottfried Schadow (1764-1850) aus dem Jahre 1800 befand sich ab 1828 an diesem Ort. König Friedrich Wilhelm IV. hatte 1859 von August Kiss eine Bronzekopie anfertigen lassen, die dank des Engagements der Schadow-Gesellschaft, von Bürgern und Sponsoren restauriert und auf seinem alten Platz erneut enthüllt werden konnte. Die umfangreichen Arbeiten an der rissigen und fragmentierten Figur nahmen Klaus Schaar und die Bildgießerei Kraas vor.

General Leopold I. (1676-1747), Fürst von Anhalt-Dessau, galt als bedeutendster Militär seiner Zeit, ihn verband eine enge Freundschaft mit dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. dessen strenge Ideale der Dessauer umzusetzen wusste. Leopold I. verhalf zudem seinem eigenen Land zu wirtschaftlichem Aufschwung. Schadow stellte ihn in der Pose des Befehlshabers mit Marschallstab, Säbel, Dreispitz und Ordensstab dar. Die Ausstattung des heute teilweise überbauten Wilhelmplatz mit Standbildern der Generäle von Schwerin, von Winterfeld, von Seydlitz, von Keith hatte Friedrich II. nach dem 7jährigen Krieg veranlasst. Später wurden noch Schadows Standbilder des Reitergenerals von Zieten und des "Alten Dessauers" ergänzt. Das Zieten-Standbild ließ die Schadow-Gesellschaft bereits 2003 wieder aufstellen. Die Marmorversionen der Generäle stehen heute in der Kuppelhalle des Bodemuseums.
(Susanne Kähler)



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Zum Abbau der Borrussia in Wannsee

Das überlebensgroße Standbild der "Borrussia" ist im Winter 2004/2005 von ihrem Platz auf der Aussichtsterrasse auf dem erhöhten Gelände gegenüber dem S-Bahnhof Wannsee abgebaut worden. Die Sandsteinfigur und die dazugehörige zweigeschossige Terrasse mit steinernen Sitzbänken, Treppenanlage, halbrundem Balkon und steinerner Ballustrade hatte sich hauptsächlich aufgrund des massiven Vandalismus in einem ruinösen Zustand befunden: Kopf und Arme der Figur waren abgeschlagen, ein Großteil der Brüstung wurde herabgestürzt, das Denkmal mit Farbe beschmiert, einige Teile lagerten auf einem Gelände des Grünflächenamts. Jetzt befindet sich die Figur in den Händen des Bildhauers Hans Starcke in Spandau. Das Landesdenkmalamt projektiert die Instandsetzung der nach 1880 errichteten historistischen Denkmalsanlage für das Jahr 2006. Die Architektur wurde nach Plänen von Ernst Sputh errichtet, die Figur stammt von dem Kieler Bildhauer Eduard Lürssen (1840-1891), der für seine Heimatstadt das ganz ähnliche Standbild der bronzenen "Kilia" geschaffen hatte. Ursprünglich entstand die Borussia 1879 für die Berliner Gewerbeausstellung und wurde dann als Aufbau über den Eiskeller der benachbarten Villa der Familie Otto Wild erworben. Seit den 1970er Jahren ist die Borrussia Teil einer öffentlichen Parkanlage und seitdem ist sie dem ununterbrochenen Vandalismus ausgesetzt. (Informationen aus einem Gutachten für das LDA von Jörg Kuhn 2004)
(Susanne Kähler)




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Die Restaurierung des Großer Kurfürsten vor dem Schloss Charlottenburg

Das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, Hauptwerk Berliner Barockskulptur, wurde vor dem Jubiläumsjahr Charlottenburgs 2005 von April bis Oktober 2004 saniert. Andreas Schlüter (1659–1714) schuf 1696-1703 das erste freistehende monumentale Reiterstandbild in Deutschland. Seit 1951 steht es im Ehrenhof des Charlottenburger Schlosses. Die Restaurierung erfolgte nun durch in der Weißenseer Werkstatt der Metallrestauratoren Haber und Brandner. Sie befreiten die Plastik von groben Ablagerungen, reinigten, schlossen Löcher und Risse, wachsten die Oberfläche und entfernten grünliche Verfärbungen von der Marmoroberfläche des Sockels. Pferd und Reiter wurden vor Ort bearbeitet, die am Sockel stehenden Sklavenfiguren wurden abmontiert und in die Werkstatt gebracht. Kurfürst Friedrich III., späterer König Friedrich I., hatte das 5,6 m hohe Monument zur Verherrlichung der Taten seines Vaters, des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620-1688), bei Schlüter in Auftrag gegeben. Dieser entwarf die Darstellung des Kurfürsten im antikisierenden Kostüm zu Pferde auf einem hohen Marmorsockel mit vier allegorischen Bronzereliefs und den vier bronzenen Sklavenfiguren an den Ecken als Verkörperungen der besiegten Feinde. 1700 führte Johann Jacobi den Guss von Ross und Reiter in einem Stück aus und 1703 stellte man das Denkmal auf der Langen Brücke vor dem Berliner Schloss auf. Das Reiterstandbild wurde vom Sockel geholt, es versank 1947 mit einem Lastkahn im Tegeler See und wurde zwei Jahre später geborgen. Der gemeinnützige Förderverein "Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V." kümmerte sich um die Finanzierung der jüngsten Restaurierung.
(Susanne Kähler)



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Die Rekonstruktion der Kuppelfigur Fortuna auf dem Neuen Stadthaus

Den zweiten Weltkrieg hatte die kupferne Kuppelfigur Fortuna“ auf dem bis 1911 von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichteten Alten Stadthaus“ unbeschadet überstanden. Bis 1951 krönte die 3,25m hohe auf einer goldenen Kugel stehende weibliche Aktfigur mit Füllhorn – ein Werk des Bildhauers Ignatius Taschner (1871–1913) - noch das Gebäude. Dann wurde sie durch eine 13m hohe Fernsehantenne ersetzt und im Raum unter der Kuppel gelagert. 1975 stellte man anlässlich einer Ortsbegehung ihre Abwesenheit fest, vermutlich wurde sie gestohlen und eingeschmolzen.

Das Alte Stadthaus, heute Sitz des Berliner Innensenators und des Landesdenkmalamts, wird seit 1994 umfassend saniert. Auf der Grundlage von historischen Abbildungen, Ludwig Hoffmanns Lebenserinnerungen und einem neu aufgefunden Gipsmodell in der Größe 1:10 wurde die Kuppelfigur auf Beschluss des Landesdenkmalamts mit der finanziellen Unterstützung des Unternehmers Peter Dussmann rekonstruiert. Der Bildhauer Joost van der Velden erhielt den Auftrag zur Ergänzung des kleinen Modells und zur Erstellung eines 1:1 Modells, Bernd-Michael Helmich übernahm die Ausführung als Kupfertreibarbeit und die Montage. Seit der festlichen Enthüllung am 2. September 2004 vervollständigt die Symbolfigur wieder die Silhouette des Gebäudes.
(Susanne Kähler)



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Sanierung des Märchenbrunnens im Volkspark Friedrichshain

Der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain, ein Werk von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann und den Bildhauern Ignatius Taschner, Georg Wrba und Josef Rauch aus dem Jahre 1913, soll eine umfangreiche Sanierung erfahren. Die seit 1959 denkmalgeschützte Anlage befindet sich heute ist einem desolaten Zustand: Sein Wiederaufbau nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges war nur in verkürzter und stark veränderter Form erfolgt und in der Folgezeit haben massiver Vandalismus, Verwitterung und Sturmschäden unübersehbare Spuren hinterlassen. Nun möchte das Landesdenkmalamt den Brunnen wieder in einen Zustand bringen, der der ursprünglichen groß angelegten und reich geschmückten Anlage wieder gerecht wird. Gleichzeitig steht das Anliegen im Vordergrund, den Märchenbrunnen vor erneuter Zerstörung zu schützen.

Bei seiner Einweihung anlässlich der 25. Regierungsjubiläums von Wilhelm II. am 15.06.1913 war der Märchenbrunnen erklärtermaßen ein Geschenk an die Friedrichshainer Bevölkerung. Der Brunnen verband mit seinen zahlreichen Putten, Tieren, Kindern und detailreichen Märchengestalten eine volks- und besonders kindernahe Thematik mit repräsentativer Gesamtgestaltung. Ludwig Hofmann hatte eine großzügige mehrteilige Brunnenanlage mit barock-höfisch anmutender Architektur entworfen. Die sich über eine Länge von 172 m ausdehnende Gesamtanlage beinhaltete ursprünglich mehrere Eingangstore, Kaskadenbrunnen, Delphinbrunnen, eine dominierende Arkadenarchitektur, Sitzbänke aus Travertin, gerahmt von Pfeilern mit steinernen Blumen- und Fruchtkörben. Die teilweise labyrinthartig angelegten Wege sowie die gesamte Anlage wurde von hohen Hecken umrahmt. 106 Steinskulpturen waren in die Gestaltung einbezogen. Zehn Märchenfiguren aus den Erzählungen der Gebrüder Grimm standen auf dem Brunnenrand des Kaskadenbrunnens, Werke des süddeutschen Bildhauers, Illustrators und Kunstgewerblers Ignatius Taschner (1871 – 1913). 3 m hohe Hermenfiguren in den Seitenwegen symbolisierten die bösen Mächte der Märchenwelt. Pfeiler mit Kinder-Tiergruppen standen an markanten Punkten des Areals.

Die heutigen in den Nachkriegsjahren wiederhergestellten Figuren entsprechen nicht immer den Schöpfungen aus der Zeit Ludwig Hoffmanns sondern lassen stilistisch unweigerlich an die 1950er Jahre denken und auch wenn heute im Sommer die Brunnen betrieben werden, die Höhe der Fontänen erreicht aufgrund einer geringeren Pumpenleistung nicht diejenigen aus ihrer Entstehungszeit. Nach historischen Photographien und Modellen aus dem Nachlass des Bildhauers Ignatius Taschner konnten 2003 bis 2004 bereits mit öffentlichen Mitteln die zehn Märchenfiguren des Hauptbrunnens neu in dem bereits 1913 verwendeten Euviller Kalkstein rekonstruiert werden. Der ausführende Bildhauer der Firma Naturstein Krause war Stefan Werner. Diese Figuren warten nun auf ihre Aufstellung.
Etwa eine Millionen Euro wurden jetzt aus öffentlichen Mitteln für die Sanierung des Brunnens zur Verfügung gestellt.
(Susanne Kähler)



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