Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, 1697-1700

Andreas Schlüter


Schloss Charlottenburg, Ehrenhof
Bronze

Epoche:   Preussen       Bezirk:   Charlottenburg




Foto: Marc Wellmann 2004


Ein Hauptwerk der Barockplastik vom Typus der auf die Marc-Aurel-Statue in Rom zurückgreifenden Reiterstandbilder. Die vier Sklaven am Sockel waren von Schlüter vorgesehen, stammen aber von anderen Künstlern. Der Sockel selbst ist eine Kopie, das Original befindet sich im Bodemuseum.

Schlüter, der von Kurfürst Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. von Preußen, 1694 aus den Diensten des polnischen Königs nach Berlin berufen wurde, schuf 1697/98 das Modell des Reiterstandbilds, das den Vater des Auftraggebers darstellt. Der Guss wurde von dem "Churfürstlichen Hof- und Artilleriegießer" Johann Jacobi in Anwesenheit der gesamten Hofgesellschaft ausgeführt. 1709 wurde er auf der ehemaligen Langen Brücke (heute Rathausbrücke) mit Achsenbezügen zum Berliner Schloss, altem Dom und altem Marstall aufgestellt. 1943 bei Beginn der Bombardierung Berlins nach Ketzin im Havelland in Sicherheit gebracht, versank das Monument 1946 beim Rücktransport im Tegeler See. Unter der Last von 180 Zentnern gingen die beiden Spreekähne, in deren Mitte es vertäut worden war, zu Bruch. 1950 geborgen und in der Gießerei Noack restauriert. Der Senat von West-Berlin beschloss, das Monument nicht wie verlangt, an den Sowjetischen Sektor auszuliefern, wo kurz zuvor das Stadtschloss weggesprengt worden war. Zur Eröffnung der Berliner Festwochen stellte man das Reiterstandbild 1951 im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg auf.

Die nach der Wende angestellten Überlegungen, das Standbild wieder an seinen ursprünglichen Platz aufzustellen, wurden vom Denkmalamt mit dem Argument verworfen, dass die Rathausbrücke durch die Schloss-Sprengung ihren Originalcharakter verloren habe, während der Ehrenhof des barocken Schloss Charlottenburg einen authentischeren Kontext besäße.


Endlich/Wurlitzer 1990, S. 26, Caspar 2003, S. 200 ff.


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