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Lessingdenkmal, 1887-90 |
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Um 1860/1861 wurde beschlossen, den drei "Geistesheroen" Schiller, Goethe und Lessing ein Denkmal zu setzen. Vorgesehen war ein Dreifigurenensemble. Nach der Realisierung des Schillerdenkmals auf dem Gendarmenmarkt in den Jahren 1868/1871 und der Enthüllung des Goethedenkmals im Tiergarten im Jahre 1880 vergingen noch weitere zehn Jahre bis zur Errichtung des Lessingdenkmals. Erst nachdem ein Komitee unter der Leitung von Carl Robert Lessing 1886 zu einem Wettbewerb aufrief, an dem sich 27 Bildhauer beteiligten, konnte der Wunsch nach dem Denkmal verwirklicht werden. Die Wahl fiel auf den Dichternachfahren Otto Lessing, der jedoch mit seinem zu schlichten Entwurf des Sockels wenig Zustimmung fand und ihn noch einmal überarbeiten musste. Lessing veränderte den Sockelschmuck entsprechend den Anweisungen und fügte noch die beiden Brunnenbecken hinzu. Nun erhielt er den Auftrag zur Ausführung. Die Einweihung fand am 14. Oktober 1890 mit einer Einweihungsrede durch den damals anerkannten Literaturhistoriker Erich Schmidt statt. Das 3 Meter hohe und damit überlebensgroße Standbild Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) zeigt den Dichter im historischen Gewand auf quadratischer Plinthe stehend. Diese ruht auf der obersten Deckplatte des Sockels. Der Sockel ist 4 Meter hoch und aus rötlichem Granit gearbeitet. Die dreizeilige Inschrift in einer verzierten Kartusche lautet: GOTTHOLD / EPHRAIM / LESSING. Unterhalb der Kartusche hält eine vollplastische geflügelte Jünglingsfigur ("Genius der Humanität") aus Bronze eine flammende Opferschale als Symbol der Erhellung. Sein linker Arm stützt sich auf eine weitere Tafel, die zentrale Sätze aus der "Ringparabel" aus Lessings "Nathan der Weise" enthält. Auf dem Sockel sind weiterhin das ins Profil gewandte Portrait des Schriftstellers und Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786), das Reliefportrait des Dichters Ewald von Kleist (1715-1759) und das Reliefportrait des Verlegers Christian Friedrich Nicolai (1733-1811) zu finden. Mendelssohn, v. Kleist und Nicolai stehen hier für die Freunde und Mitstreiter Lessings, insbesondere für seine intellektuellen und menschlichen Kontakte in Berlin. Der Entwurf und die Modelle zum Standbild und der Sockelbronzen stammen von Otto Lessing, den Sockel selbst entwarf der Architekt und Baudirektor Wilhelm Rettig nach Vorgaben des Denkmalkomitees und den Skizzen Otto Lessings. Das 3 Meter hohe Standbild wurde nach Lessings Modell von dem Bildhauer Hermann Bauch in weißem Laaser Marmor ausgeführt und von Lessing überarbeitet. Die Bronzen wurden nach Lessings Modellen von der Berliner Bildguss AG gefertigt. Die verloren gegangenen Bronzen (Portraitreliefs samt Kartuschen, Inschriftenkartusche, Wasserspeier) wurden für die 1990/1992 durchgeführte Restaurierung von den Berliner Bildhauern Dietrich und Hans Starcke nachgeschaffen und von der Berliner Bildgießerei Kraas gegossen. Das Lessingdenkmal wurde in den vielen Jahren seines Bestehens mehrfach Opfer von Diebstahl und Vandalismus: 1923 erfolgte der Diebstahl und eine nachfolgende Ergänzung des Schweifes vom Löwenfell der rückseitigen Bronzegruppe. Während des 2. Weltkrieges wurde das Schmuckgitter, die Schmuckblumenkübel und die Bänke abgeräumt und vermutlich eingeschmolzen. Nach 1945 erfolgte der Diebstahl der Portraitreliefs und der Wasserspeier. Wegen zunehmender Vandalismusschäden nach 1961 (das Denkmal befand sich unmittelbar an der Berliner Mauer und nach Erwerb des Lenné-Dreiecks durch Westberlin besonders ungeschützt auf einer Art "Niemandsland") wurden die beschädigten Bronzeteile abgebaut und deponiert. Die Sanierung und Ergänzung des Denkmals und die Wiederherstellung der historischen Platzgestaltung erfolgte in den Jahren 1987-1992. Nach 1992 wurden jedoch die neu geschaffenen Wasserspeier gestohlen, ebenso die Geißel des Genius teilweise abgebrochen und verschleppt. Die Bronzefiguren und das Marmorstandbild wurden wiederholt mit Farbe beschmiert. Jörg Kuhn: Otto Lessing 1846-1912. Bildhauer, Kunstgewerbler, Maler. Leben und Werk eines Bildhauers des Späthistorismus, Phil. Diss. FU Berlin 1994 Dr. Jörg Kuhn/Dr. Susanne Kähler: Erfassung/Inventarisation der plastischen Denkmäler, Brunnen und anderer Werke der bildenden Kunst im öffentlichen Raum im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte von Berlin, Teil I: Großer Tiergarten mit Park von Schloss Bellevue, erstellt im Auftrag des LDA Berlin, Referat für Gartendenkmalpflege, Berlin 2003, Objekt-Nr. 41. Endlich/Wurlitzer 1990, S. 180f. Standortanzeige noch im Testlauf. Nicht alle Werke werden korrekt lokalisiert. |
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